Multilog in Kleve betont Gemeinsamkeiten

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„Verkehret mit allen Religionen in Herzlichkeit und Eintracht …“1, heißt es in den Bahá’í-Schriften. Dieser Auftrag wird den Menschen ans Herz gelegt und vertieft das Verständnis, dass alle Religionen aus einer einzigen göttlichen Quelle stammen, welche die Menschheit über die Jahrtausende hinweg durch liebevolle Führung begleitet. Daher ist es den Bahá’í weltweit ein Herzensanliegen, mit Menschen verschiedener Religionen in den Dialog zu treten, von- und miteinander zu lernen sowie gemeinsam zu handeln.
In Kleve hat sich bereits seit einigen Jahren eine interreligiöse Zusammenarbeit entwickelt, die jüngst in dem Format „Multilog“ stattfindet. Hier kommen Menschen mit christlichem, islamischem, buddhistischem, humanistischem, jesidischem, jüdischem und Bahá’í-Hintergrund zusammen, tauschen sich über ihre Religionen aus und planen gemeinsame Veranstaltungen. So hat Multilog 2023 einen interreligiösen Gottesdienst organisiert und 2024 multireligiöse Stände auf einem Marktplatz eingerichtet. Bahá’í vor Ort war bei einem Planungstreffen des Multilogs für das Jahr 2025 zu Besuch.

KLEVE, Nordrhein-Westfalen. Es ist ein sonniger Samstagmittag im März. Zwischen Umarmungen und Händedrücken ertönt Lachen und das Gemurmel angeregter Gespräche. Nach und nach trudeln Leute bei der Moschee des kurdisch-islamischen Vereins in der Materborner Allee ein. Von außen betrachtet wirkt das Gebäude unscheinbar; es schließt sich jedoch eine weitreichende Gartenfläche im Hinterhof an. Kann hier die nächste gemeinsame Veranstaltung des Multilogs stattfinden? Um das herauszufinden, haben sich Mitglieder verschiedener Religionen und Weltanschauungen versammelt. Manche davon kennen sich bereits seit vielen Jahren, andere sind neu dazu gestoßen. Sie alle eint eine offene und engagierte Haltung, der Wunsch nach interreligiösem Austausch und die Tatkraft, gemeinsame Aktivitäten umzusetzen.

Bei der Planung der gemeinsamen Aktivitäten ziehen alle an einem Strang: Einheit in Vielfalt wird sichtbar.

Voneinander lernen

 „Lasst uns mal gucken, damit wir wissen, worüber wir sprechen!“, läutet Edmund Verbeet von der katholischen Kirchengemeinde die Besichtigung der Räumlichkeiten ein. Die Gruppe bewegt sich von der Laube in die große Garage, die zu einem Gemeinderaum mit Sitzmöglichkeiten umfunktioniert worden ist. Weiter geht es in den weitläufigen Hinterhof, bevor sich alle an einem großen Tisch zusammenfinden.

Hier wird die Gelegenheit ergriffen, Fragen an die heutige Gastgeberin Emine Polat von der islamischen Gemeinde zu stellen: „Was ist der Unterschied zwischen einem Imam und einem Hodscha?“, fragt Uta Rode von der evangelischen Kirchengemeinde. „Wie spät ist das Nachtgebet? Ist das jeden Tag?“, erkundigt sich Bernard Majkowski von der Buddhistischen Soka Gakkai Gemeinschaft. In ihren Antworten geht Emine auf Themen wie Gebet, Frauenrechte und Fasten ein.

Da wird auch schon die erste Gemeinsamkeit zwischen den verschiedenen Religionen festgestellt: Nicht nur die Muslime fasten gerade – Auch die Christen haben momentan ihre Fastenzeit, ebenso wie die Bahá’í. Uta bringt es auf den Punkt: „Wir sind ja Geschwisterreligionen mit gleichen Wurzeln!“

Ein gemeinsames Anliegen

Im weiteren Verlauf berät die Gruppe über die anstehenden Veranstaltungen. Auf der Agenda steht zum einen die Planung der jährlichen Sommeraktivität und zum anderen die Ort- und Zeitfindung für eine Lesung der Journalistin Isabel Shayani zu ihrem Buch „Nach Deutschland“. Erste Ideen und Vorschläge werden geteilt, persönliche Erfahrungen eingebracht und verschiedene Faktoren abgewogen: Könnte die Lesung nicht in der Kleinen Kirche stattfinden? Das Spiegelzelt hat eine tolle Atmosphäre! Oder können wir in einem Buchladen mehr Menschen ansprechen? Nach und nach werden professionelle Kompetenzen eingebracht und Aufgaben verteilt, es wird auf verschiedene Netzwerke zurückgegriffen und fokussiert beraten.

Dabei ist es gar nicht so einfach, bei so einer diversen und dynamischen Gruppe einen gemeinsamen Arbeitsmodus zu finden, wie Azin Messing von der Bahá’í-Gemeinde berichtet: „Wenn immer wieder neue Leute dazu kommen, weil es sich mittlerweile herumspricht, ist es eine Herausforderung, in den Gesprächen eine Struktur zu finden. Das müssen wir immer wieder neu lernen und neu üben!“

Nach einer guten Stunde bunten Zusammentragens nimmt die geplante Sommeraktivität schließlich Form an: Im September gestaltet der Multilog einen gemeinsamen Tisch mit „geistiger Nahrung“ aus den verschiedenen Glaubensgemeinschaften. Jede Stunde bietet eine andere Gemeinschaft ein kurzes Programm an. Abgeschlossen wird die Veranstaltung mit einer interreligiösen Andacht. Damit hat sich nicht nur ein Plan, sondern auch eine weitere Gemeinsamkeit entwickelt: ein gemeinsames Vorhaben, ein gemeinsames Anliegen.

Und findet die Sommeraktivität jetzt in der Moschee statt? Nein, dazu müssten aufgrund der Lage zu viele Kapazitäten in die Bekanntmachung der Veranstaltung fließen. Stattdessen soll der gemeinsame Tisch beim Stadtfest eingegliedert werden. Aber der Multilog soll trotzdem nicht zum letzten Mal bei der Moschee in der Materborner Allee gewesen sein, denn die Mitglieder haben beschlossen, im Juni gemeinsam das Sommerfest der Moschee-Gemeinde zu besuchen.

Im Anschluss helfen noch einige beim Kochen für das Fastenbrechen der muslimischen Gemeinde.
  1. Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas, Auflage 6.02-online (2020-08-08), bibliothek.bahai.de, Bahá’í Verlag 2020 ↩︎