
Die Familie ist die kleinste Einheit der Gesellschaft. In ihr lernen wir Eigenschaften und Fähigkeiten, die unseren Umgang mit anderen Menschen prägen. Dazu gehören Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Liebe. Bahá’í sind bestrebt, Familien nicht isoliert zu betrachten, sondern gemeinsam mit ihnen eine neue Zukunft aufzubauen. In Offenbach finden daher schon seit sechs Jahren Familienfeste statt, von denen die Nachbarschaft profitiert.
OFFENBACH, Hessen. Einmal im Monat findet im Stadtteiltreff im Mathildenviertel ein Familienfest statt. Die ganze Nachbarschaft ist eingeladen. Es kommen Kinder aus den Bahá’í-Kinderklassen, Jugendliche, Alleinstehende, neue und alte Gesichter und manchmal auch neugierige Spaziergänger. Mira ist seit sechs Jahren bei den Familienfesten dabei und freut sich jedes Mal wieder auf die besondere Atmosphäre, die entsteht, wenn die Nachbarschaft in ihrer ganzen Vielfalt zusammenkommt. Sie hat unsere Fragen beantwortet:
Warum organisiert ihr Familienfeste?
2019 haben wir den 200. Jahrestag der Geburt des Báb gefeiert. Da waren so viele Kinder dabei, dass wir deutlich gemerkt haben, wie wichtig das Kinderprogramm ist und wie sehr sie sich über so ein Angebot freuen. Wir haben dann reflektiert, dass wir öfter Räume anbieten möchten, in denen Kinder und deren Eltern zusammenkommen. Also haben wir die Familienfeste gestartet. Damals hatten wir drei Kinderklassen. Durch die regelmäßigen Feste konnten wir die Verbindungen der Familien untereinander vertiefen. Nach und nach hat sich dann auch eine Struktur entwickelt.

Wie läuft ein Familienfest ab?
Wir beginnen immer mit einem Kennenlernspiel. Dabei nennen wir Vorlieben oder Eigenschaften und jeder, auf den das zutrifft, geht einen Schritt nach vorne. Oft bringen wir hier auch schon Fragen zum Thema des Tages ein.
Dann folgt eine Andacht. Hier haben wir viel ausprobiert. Anfangs haben wir kurze Gebete gesungen, später dann auch Mal vorbereitete Texte verteilt. Mittlerweile ist das Gebet auch für diejenigen, die sonst nicht beten, ein ganz natürlicher Bestandteil.
Als nächstes widmen wir uns dem Thema. Das kann eine Tugend sein, wie zum Beispiel Gerechtigkeit oder Wahrhaftigkeit. Manchmal orientieren wir uns an aktuellen Ereignissen wie dem Weltfrauentag und sprechen dann über die Gleichwertigkeit von Mann und Frau. Wir nähern uns dem Thema auch immer auf kreative Weise mit Geschichten, Theater, einem Spiel oder Kunstprojekten.
Im Anschluss kann man an verschiedenen Stationen basteln, malen oder experimentieren. Oft gibt es auch einen Elternworkshop, in dem wir uns über das Thema oder über Erziehung austauschen. Kleine Stärkungen gibt es an der Snack-Bar, die jedes Mal gemeinschaftlich befüllt wird.

Was waren eure Lernerfahrungen?
Wichtig war, dass wir immer auf die Ideen derjenigen eingegangen sind, die mitwirken wollten. Wir haben versucht, nicht unseren eigenen Plan durchzusetzen, sondern sind auf die Wünsche und Ideen der Familien eingegangen. Dadurch haben wir viel ausprobiert und die Struktur hat sich geändert. Als die Kinder älter wurden, wollten sie beispielsweise mehr Abwechslung und das Gespräch mit den Eltern wurde relevanter.
Welche Wirkung haben die Familienfeste?
Es ist normal geworden, dass man zusammenkommt, um zu beten. Es entwickelte sich eine Andachtskultur. Die Familienfeste bringen uns allen große Freude, sie vereinen die Nachbarschaft und Vielfalt wird sichtbar.
Auch in Ihrer Nähe gibt es Bahá’í-Familien. Wenn Sie Kontakt aufnehmen möchten, melden Sie sich gerne hier.
Fotos: Boyz Bangura, Wrigley Mazloum




