Anfang Mai kamen in Tambach über hundert Young Professionals zusammen. Diese Altersgruppe, von Ende zwanzig bis Mitte dreißig, definiert sich durch die ersten Jahre im Berufsalltag, die Gründung von Familien und einen Schatz an Lebenserfahrung. Für vier Tage studierten sie gemeinsam Texte über die geistige Natur des Gebens.
TAMBACH, Thüringen. Aus Deutschland und einigen Nachbarländern kamen um die 130 junge Menschen zusammen. Grundlage des Seminars war das Ruhi-Buch 11 „Materielle Mittel“ über die Natur des Gebens. Dieses Material des Bahá’í-Bildungsinstitutes wurde in Studienkreisen gemeinsam erforscht.
„Also ich glaube bei Buch 11 erwartet man wahrscheinlich, dass es viel um Geld geht, wie man mit dem eigenen Geld umgeht”, sagt Pia. „Ich fand es sehr spannend, dass es eigentlich fast gar nicht um Geld geht, sondern es geht um eine innere Einstellung. Es geht darum, wie man dienstbar ist und wie man spendet, anstatt darum, wie man konsumiert.“


Das Studium fand in Gruppen von zwölf bis zwanzig Personen statt. Dabei gab es auch die Gelegenheit, durch die Künste ein tieferes Verständnis für das Thema zu erlangen, zum Beispiel durch Origami, Schaubilder oder das Erzählen von Geschichten. Im Mittelpunkt stand das Bild des „freigebigen Herzens“. Damit wurden Konzepte wie Gerechtigkeit, Menschenliebe, Demut und Nachsicht in Verbindung gebracht. Auch wurde die grundlegende Frage gestellt, was Wohlstand in einer Welt bedeutet, wenn diese von Freigebigkeit und Großzügigkeit geprägt ist.
„Bei der Auseinandersetzung mit materiellen Dingen geht es ganz viel um die Frage, von Besitz“, sagt Pia, „und wie ich Besitz anhäufen kann, oder auch meinetwegen Besitz verteilen kann. Aber eigentlich ist Besitz kein Konzept der Seele. Es ist ein Konzept, das vielleicht hier auf dieser Erde funktioniert, aber im Grunde genommen besitzen wir nichts. Wir haben eigentlich nur verwalterische Tätigkeiten oder Fähigkeiten.“


Im zweiten Kapitel des Buches beschäftigten sich die Teilnehmenden mit ihrer Beziehung zum Spenden. Warum ist es wichtig zu spenden? Welche Auswirkungen hat es, wenn ich spende? Wie kann eine Spende losgelöst sein von Erwartungen? Welche Verantwortung übernimmt der Empfänger der Spende? Welche Rolle spielen Vertrauen und Loslösung dabei?
„Wenn man halt genug hat“, sagt Yash, „oder ein bisschen was verdient, dann soll man auch etwas zurückgeben. Und wenn man zurückgibt, dann soll man nicht erwarten, dass etwas zurückkommt.“
Isobel sagt: „Was für mich meine Einstellung geändert hat, ist zu wissen, dass wenn wir Geld geben oder wenn wir großzügig sind, mit dem was wir haben, dann ist das eine Art von Loslösung und jemand anderes hat jetzt die Entscheidung, wofür es benutzt wird.“

„Was mich ganz besonders beeindruckt und auch bewegt hat“, sagt Clara, „ist ein Blickwinkel auf materielle Mittel aus einer geistigen Perspektive und auch die Überlegung, dass Wohlstand nur erwachsen kann mit materiellen Mitteln, aber materielle Mittel, die von geistigen Prinzipen geleitet werden.“
Eine Gruppe des Seminars studierte zusammen das dritte Kapitel, das sich mit dem “Recht Gottes” beschäftigt. Dieser Ausdruck bezieht sich auf ein Gesetz aus den Bahá’í-Schriften, in dem geregelt ist, unter welchen Bedingungen ein festgesetzter Prozentsatz des Vermögens abgegeben werden soll, sodass diese Gelder dafür genutzt werden können, der ganzen Welt zu Frieden und Wohlfahrt zu verhelfen. Da dieses Kapitel sehr umfangreich ist, wird es von den anderen Teilnehmenden im Laufe des Jahres studiert.
Das Seminar regte die Teilnehmenden dazu an, über die geistige Bedeutung des Gebens nachzudenken und zu überlegen, was die Auswirkungen dieser Gedanken auf das eigene Leben sein können. Für das nächste Jahr ist bereits ein weiteres nationales Seminar in einem ähnlichen Format geplant




