
Bahá’í sind bestrebt, gemeinsam mit anderen einen positiven Wandel in der Gesellschaft zu bewirken. Deshalb wurden im Laufe der letzten 25 Jahre Programme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene entwickelt, die das Potenzial jedes Einzelnen zum Vorschein bringen und seine Fähigkeiten, zur Transformation seines Umfeldes beizutragen, stärken. Im Rahmen von Kinderklassen, Juniorjugendgruppen und Studienkreisen werden auf der ganzen Welt Trainingsmaterialien angewendet, die kontinuierlich überarbeitet werden. Dabei bedarf es einer demütigen Lernhaltung und eines regelmäßigen Austauschs, da Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Realitäten zusammenfließen. Bahá’í vor Ort hat Nura und Nuri getroffen, die Ende Juli 2025 für zehn Tage in den Kosovo gereist sind, um dort mit anderen Jugendlichen über das Trainingsmaterial zu lernen.
Die Vision einer besseren Welt vor Augen
PRISTINA, Kosovo. Nura und Nuri setzen sich für ein friedvolles Miteinander in Hofheim ein. Dafür verwenden sie Bahá’í-inspirierte Trainingsmaterialien. Als sie gemeinsam mit drei anderen jungen Menschen aus ihrer Nachbarschaft die Reise in den Kosovo antreten, haben sie den tiefen Wunsch in sich, die Erfahrungen, die sie in ihrer Heimatstadt gesammelt haben, zu teilen, denn 1.800 Kilometer entfernt arbeiten Jugendliche in Pristina mit denselben Materialien. Auch sie haben in den letzten Jahren viel darüber gelernt, wie man durch lokale Bildungsprojekte zum Wandel der Gesellschaft beitragen kann. Und gleich am Flughafen fällt auf: Sie sind dabei besonders geduldig und hilfsbereit. Die Gruppe aus Deutschland kommt nämlich mit Verspätung an, wird dennoch herzlich begrüßt und zur Unterkunft begleitet.


Es folgen aufregende erste Tage, in denen sie die Gegend kennenlernen, gemeinsam beten, erste Freundschaften knüpfen und Gespräche über den Bahá’í-Glauben, die Wünsche der Jugendlichen und die Vision einer friedvollen Welt führen. Später reflektieren sie, dass Unterhaltungen dann besonders in Erinnerung bleiben, wenn eine Brücke zwischen einer geistigen Erkenntnis und ihrer Umsetzung mit den Trainingsmaterialien geschlagen wird. Wenn also im Gespräch über das Potenzial der Jugend gesprochen wird, führt dies ganz natürlich dazu, dass von den Erfahrungen mit Juniorjugendgruppen berichtet wird. Ein besonderes Highlight ist die Discussion Night (Diskussionsabend) im Spielcafé, an der sichtbar wird, wie vielfältig das Netzwerk der Freunde in Pristina ist, die sich für ein friedliches Miteinander einbringen möchten.
Wir wollen gemeinsam etwas verändern!
Die Zeit vergeht wie im Flug und schon ist die Hälfte des Aufenthalts vorbei. Mit den neuen Erkenntnissen setzen sich die fünf Hofheimer zusammen und überlegen, was sie den Freunden in Pristina mitgeben möchten: „Uns ist aufgefallen, dass ganz viele Menschen bereits in irgendeiner Weise in den Prozess involviert sind, aber dass es keinen festen Raum für regelmäßige und intensive Planung gibt,” sagt Nura. Sie identifizieren einen Kreis von Jugendlichen, der sich auch nach ihrer Abreise noch regelmäßig treffen wird, um gemeinsam strukturiert zu überlegen, wie die Vision eines friedvollen und unterstützenden Miteinanders in ihrer Nachbarschaft vorangebracht werden kann. Dieser Kreis wird sich mit der Zeit erweitern und alle einschließen, die diese Vision teilen.

Strukturen etablieren
Am letzten Abend laden Nura und Nuri alle Kontakte ein, die sie in Pristina kennengelernt haben. Viele kommen, da sie ihre neuen Freunde noch ein letztes Mal sehen möchten und neugierig sind, was es mit diesem sich erweiternden Kreis auf sich hat, der vorgestellt werden soll. „Das Gespräch war einfach”, erinnert sich Nuri später. „Es gab schon so viele Jugendliche, die die Vision teilten, gemeinsam etwas verändern zu wollen. Wir haben dann klar kommuniziert, dass wir in ihnen bereits einen solchen Kreis sehen und aufgezeigt, welche Vorteile ihnen ein struktureller Rahmen bieten würde. Wir haben unsere Erfahrungen aus Hofheim geteilt und kamen in ein schönes Gespräch darüber, wie man diese Erfahrungen auf Pristina übertragen könnte. Dabei haben auch wir viel gelernt.”
Inzwischen sind Nura und Nuri wieder zurück in Deutschland. Über eine WhatsApp-Gruppe verfolgen sie, dass sich das Team seit ihrem Besuch wöchentlich trifft, um gemeinsam zu planen und zu reflektieren. Sie beobachten auch, dass sich der Kreis bereits erweitert hat und freuen sich über den Fortschritt ihrer neuen Freunde. Der nächste Besuch ist schon in Planung!
Fotos: Nura Enayati




