
Der Mensch ist ein lernendes Wesen. Die beständige Weiterentwicklung des eigenen Charakters und der Dienst an der Gesellschaft sind dabei unentbehrlich. Einzelpersonen und Gruppen gehen diesen Weg mit anderen gemeinsam und lernen voneinander. So hat auch die Bahá’í-Gemeinde Osnabrück bei der Vorbereitung auf den Tag der Niedersachsen bei Freunden in Bad Vilbel Inspiration gefunden. Im Gespräch mit Bahá’í vor Ort erzählt die Osnabrückerin Jane, was sie dabei über bedeutsame Gespräche, Tugenden und Zusammenarbeit gelernt hat.
OSNABRÜCK, Niedersachsen. Im Februar 2025 erhielt die Bahá’í-Gemeinde Osnabrück eine Anfrage der Stadt, ob sie mit einem Zelt auf der Religionsmeile am Tag der Niedersachsen vertreten sein möchte. Die kleine Gruppe nahm die Einladung an. Es war jedoch sofort klar, dass die Osnabrücker Bahá’í auf Unterstützung angewiesen sein würden, um auf dem dreitägigen Volksfest Präsenz zeigen zu können. In Zusammenarbeit mit Freunden aus Bremen wurde ein Team gegründet, das die Organisation übernahm.
Vorbereitung auf bedeutsame Gespräche
Um vorab Erfahrungen zu sammeln, meldete sich Jane bei der größeren Bahá’í-Gemeinde in Bad Vilbel an, um für einen Tag an deren Stand auf dem Hessentag mitzuhelfen. Obwohl die Realität in der beschaulichen Kleinstadt eine andere ist als die in der Großstadt Osnabrück, konnte Jane viel lernen. Unter anderem wurde sie von einem Online-Seminar inspiriert, das die Helfer auf die Gespräche am Stand vorbereitete. Wie kann man ein bedeutsames Gespräch führen, das in Erinnerung bleibt? Wie steigt man ein? Was kann man den Interessierten mitgeben? Jane blieb vor allem die Geduld in Erinnerung, mit der das Seminar geleitet wurde: „Es wurde ein Zitat aus den Bahá’í-Schriften gelesen und eine Frage dazu gestellt, aber darauf kam manchmal zunächst keine Reaktion. Anstatt einfach weiterzumachen, wurde gewartet, bis jemand Mut fasste und eine Antwort gab. Manchmal brauchen die Menschen einfach etwas Zeit, um tiefgreifende Gedanken zu formulieren.” Auch das Team in Osnabrück bereitete sich später mit einem ähnlichen Seminar auf den Tag der Niedersachsen vor.

Die Tugenden im Vordergrund
Da beim Hessentag das Tugendrad besonders gut ankam, sollte es auch beim Tag der Niedersachsen im Vordergrund stehen. Und tatsächlich drehten Jung und Alt mit Freude an dem bunten Rad und kamen dadurch schnell über Eigenschaften wie Dankbarkeit, Liebe und Geduld ins Gespräch. Ein Jurastudent klebte sich seine Tugend Gerechtigkeit mit Tesafilm auf die Jacke. Die Kinder konnten sich aus einem Bergwerk aus Pappmaschee einen Edelstein aussuchen. Sie wurden dann dazu angeregt, darüber nachzudenken, welche Edelsteine sie in sich selbst finden können. Diese Ideen knüpften an ein Zitat aus den Bahá’í-Schriften an, das am Stand auf einem Roll-Up zu lesen war:
„Betrachte den Menschen als ein Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Nur die Erziehung kann bewirken, dass es seine Schätze enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag.“
Wie schnell ein prägendes Gespräch entstehen kann
Insgesamt wurden knapp 450 kurze Gespräche am Stand der Bahá’í geführt. Davon entwickelte sich etwa ein Drittel zu tieferen Unterhaltungen. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so leicht ist, ins Gespräch zu kommen”, sagt Jane rückblickend. Kornelia erinnert sich an einen uigurischen Besucher, der noch nie von der Bahá’í-Religion gehört hatte, aber von den Zitaten begeistert war: „Er wollte sich gar nicht mehr von uns verabschieden, weil er so viele Fragen hatte.” Hossein reflektiert: „Man konnte die Sehnsucht nach einer vereinenden Vision in den zahlreichen Begegnungen und Gesprächen spüren.” Auch die Bahá’í, die aus benachbarten Orten zur Unterstützung angereist waren, genossen den inspirierenden Austausch.

Lernerfahrungen weitertragen
Der Tag der Niedersachsen liegt nun schon einige Wochen zurück. Doch die Gespräche begleiten das Team noch immer durch den Alltag. „Wir haben gelernt, dass es viele Menschen gibt, die gerne über Tugenden sprechen und das macht Mut, auch in Zukunft häufiger ins Gespräch zu gehen”, resümiert Jane. Des Weiteren habe sich die Beziehung zu den anderen Glaubensgemeinschaften, die auf der Religionsmeile vertreten waren, intensiviert. Wertvoll sei zudem die Zusammenarbeit mit den Bahá’í-Gemeinden der umliegenden Städte gewesen. Man habe spüren können, wie der gemeinsame Erfahrungsschatz wuchs.
Wenn Sie auch mit Bahá’í in Ihrer Nähe ins Gespräch kommen wollen, können Sie sich unter kontakt(at)bahai.de melden.




