
In den Bahá’í-Schriften steht: „Wir alle müssen uns mit Herz und Seele mühen, bis wir die Einheit tatsächlich in unserer Mitte haben.”1 Viele Gläubige engagieren sich daher für den Zusammenhalt und Frieden in ihrer Nachbarschaft; so auch Sascha. Im Gespräch mit Bahá’í vor Ort berichtet er, warum es in Halle zur Gründung eines Nachbarschaftszentrums kam, wie dort jeder seinen Platz findet und was sein Team über Zusammenarbeit gelernt hat.
Eine zweite Heimat für die Nachbarschaft
HALLE, Sachsen-Anhalt. In der Nähe eines idyllischen Sees und eines belebten Skateparks liegt der Hafen Neustadt. Ein Ort, um Kraft zu tanken, zusammenzukommen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Dieser Hafen ist keine Anlaufstelle für Schiffe, sondern für die Nachbarschaft. In dieser leben Menschen mit den verschiedensten Hintergründen. Neben der erfrischenden Vielfalt treten auch Herausforderungen auf: Schulabsentismus, relative Armut, Rassismus, Missverständnisse und Gewalt. „Gut, dass es da den Hafen gibt. Hier kommen sich die Familien näher und lernen, Vorurteile zu überwinden. Es gibt Möglichkeiten, gemeinsam zu beten und konstruktiv beizutragen. Eine gute Anzahl hat hier bereits eine zweite Heimat gefunden”, reflektiert Sascha.

Nachdenken über ein geistiges Leben
Sascha war dabei, als das Zentrum eröffnet wurde: ein wichtiger Meilenstein in der langjährigen Arbeit in der Nachbarschaft, um Menschen in einer Bewegung für das Allgemeinwohl zu vereinen. In den ersten Monaten des Hafens wurden er und das Team Neustadt durch einen Bericht aus einer Nachbarschaft in Mexiko inspiriert. Dort wurde erkannt, dass Gewalt bekämpft und der soziale Zusammenhalt gestärkt wird, wenn sich Nachbarn mit ihrer geistigen Natur befassen und mit zwischenmenschlichen Verbindungen Einsamkeit und Missverständnisse auflösen. Als zentraler Knotenpunkt in Saschas Nachbarschaft diente ab sofort der Hafen. Dort wurden zum Beispiel Studienkreise zu Themen wie Nachdenken über das geistige Leben oder Das Potenzial der Juniorjugendlichen freisetzen angeboten. Da die Kurse auch praktische Elemente wie das Einladen zu Andachten oder die Gründung von Juniorjugendgruppen beinhalten, kam zur persönlichen Weiterbildung auch das soziale Engagement hinzu und die Nachbarschaft fing an, sich zu verwandeln.
Lernen über Zusammenarbeit
Mittlerweile engagieren sich viele Jugendliche und Familien im Hafen. Es gibt eine Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe, die jungen Menschen ermöglicht, ihre Sozialstunden dort zu leisten. Ahmad fühlte sich im Hafen ernstgenommen und berichtete: „Wo anders gilt immer: einmal kriminell, immer kriminell. Das war im Hafen anders. Wenn geputzt werden mussten, putzten alle. Wenn mit Kindern gearbeitet wurde, halfen alle.”
Auch der Jugendbeauftragte der Stadt, eine Schule und die Polizei sind involviert. „Wir haben viel über Zusammenarbeit gelernt”, erzählt Sascha. „Zu Beginn war es für uns herausfordernd, Jugendliche zu involvieren, die gar nicht genau wussten, was wir machen und ganz spontan mithelfen wollten.” Nach und nach fand das Team im Hafen dann eine gute Mischung aus Bildungsangeboten und aktivem Handeln.

Jugendliche leisten Zeit des Dienstes
An einem Ort, an dem viele Menschen ein- und ausgehen, ist es ein Segen, wenn es Einzelne gibt, die immer da sind. Auch in diesen Tagen widmen wieder drei junge Menschen ihre Zeit vollständig dem Hafen und der Neustadt: Sie repräsentieren Vielfalt. Muslime und Bahá’í, aus Norwegen, Syrien und Deutschland.
In dieser Zeit des Dienstes studieren sie die heiligen Schriften der Bahá’í und anderer Religionen mithilfe von Trainingsmaterialien, die das Potenzial fördern und die Fähigkeiten der Jugendlichen stärken. Davon inspiriert engagieren sie sich in der Durchführung von Kinderklassen und Juniorjugendgruppen und organisieren Veranstaltungen, bei denen die Nachbarschaft zusammenkommt. Sascha erklärt: „Die Motivationsquellen der Jugendlichen sind zu Beginn ganz unterschiedlich. Manche suchen etwas als Vorbereitung für das Berufsleben, andere haben die Schule abgebrochen und wieder andere wollen etwas bewegen. Deshalb gehen wir in der Begleitung der Freiwilligen sehr bedürfnisorientiert vor, passen uns dem Wissensstand jedes Einzelnen an und suchen gemeinsam Wege, wie die Jugendlichen ihr Potenzial freisetzen können. Dabei werden sie eng unterstützt von Mentoren vor Ort. Am Ende liegt der Wunsch in jedem Jugendlichen, sich zu entwickeln und zur Gesellschaft beizutragen.”

Weitere Stimmen aus der Nachbarschaft
Anakin, 17 Jahre: „Der Hafen ist das Herz von Neustadt und das Organ von Halle.”
Max, 27 Jahre: „Der Hafen ist ein Geschenk für Neustadt – ein Ort der Begegnung, des Lernens und der Geistigkeit. Hier stehen der Fortschritt des Einzelnen und der Gesellschaft im Mittelpunkt. Für mich ist der Hafen zu einem Zuhause geworden und die Menschen sind meine Familie.”
Möchtest auch du eine Zeit des Dienstes in einer Nachbarschaft absolvieren? Dann informiere dich jetzt unter www.zeit-des-dienstes.bahai.de.
- ‘Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris (Kapitel 15) ↩︎




