Aus einem Wunsch wird ein Ort für viele

Ein neuer Nachbarschaftsraum in Frohnhausen

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Der Nachbarschaftsraum Frohnhausen versteht sich als Ort der Begegnung für Nachbarinnen und Nachbarn, für Individuen und Familien. Er ist Teil weltweiter Prozesse, die darauf abzielen, tragfähige Werte in der Gesellschaft zu stärken – Werte, die eine Welt fördern, in der jeder Mensch willkommen ist und einen Beitrag leisten kann. Orte wie dieser können zu kleinen Leuchtfeuern werden: für Dialog, für gegenseitiges Verständnis und für konstruktives gemeinsames Handeln.

ESSEN-FROHNHAUSEN, Nordrhein-Westfalen. Mit der Einweihung des neuen Nachbarschaftsraums im Januar 2026 ist in Frohnhausen ein Ort entstanden, an dem Menschen zusammenkommen können: Kinder und Jugendliche, Familien und Einzelpersonen. Ein Ort der Begegnung, an dem man sich kennenlernt, voneinander lernt und bestrebt ist, einander mit Offenheit und Liebe zu begegnen. Verschiedenste Angebote ermöglichen dies, zum Beispiel ein Nachbarschaftsfrühstück, eine Adipositas-Selbsthilfegruppe und verschiedene Bildungsangebote sowohl für Kinder als auch für Jugendliche.

Bei der Eröffnung wandte sich die Bürgermeisterin Julia Jacob direkt an die Kinder und Jugendlichen aus Frohnhausen: „Kommt in den Nachbarschaftsraum“, sagte sie, und fügte hinzu: „Lasst euch überzeugen!“

Gruppenbild 1
Nachbarschaftsraum innen
Programm
Unterhaltung
Gruppenbild 1 Nachbarschaftsraum innen Programm Unterhaltung

Zusammenarbeit, getragen von einem Geist der Liebe

Seit Mitte 2022 wuchs in der Bahá’í-Gemeinde Essen die bewusste Überlegung, die Zusammenarbeit mit der Nachbarschaft sowie mit Kindern und Juniorjugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren zu vertiefen. Der Wunsch, viele Menschen zu erreichen, machte deutlich, dass es öffentliche Räume braucht. Erste Räumlichkeiten begleiteten diesen Weg, erwiesen sich jedoch mit der Zeit als zu klein. Der neue Nachbarschaftsraum ist aus diesem gemeinsamen Lernprozess hervorgegangen.

Zur Eröffnungsfeier kamen viele Menschen zusammen, die diesen Weg mitgetragen haben: die Bürgermeisterin der Stadt Essen, Vertreterinnen und Vertreter der Caritas, des Bürgervereins und des Stadtteilbüros sowie zahlreiche Nachbarinnen und Nachbarn. Die Vielfalt der mehr als 90 Anwesenden spiegelte wider, wofür dieser Raum gedacht ist.

Ralf Mühlschlegel, ein Repräsentant der Bahá’í-Gemeinde Essen, lobte den gemeinsamen Einsatz: „Diese Räumlichkeiten sind das Ergebnis vieler Hände, vieler Herzen und vieler Stunden gemeinsamer Anstrengung.“ Als besonders wichtig hob er hervor: „Sowohl die Räumlichkeiten als auch alle Angebote stehen allen Menschen offen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Kultur oder Religion. Vielfalt wird hier nicht nur akzeptiert, sondern als Bereicherung erlebt!“

Im Mittelpunkt der Eröffnung stand die Zusammenarbeit, getragen von einem Geist der Liebe, fast wie in einer großen Familie. Kinder eröffneten die Feier mit Gebeten. Einige von ihnen waren ohne ihre Eltern gekommen, weil sich hier alle gemeinsam für das Wohl der Kinder verantwortlich fühlen. Die Kinder hießen die Gäste willkommen, bewegten sich mit vertrauter Selbstverständlichkeit durch den Raum und überreichten der Bürgermeisterin Blumen als Zeichen des Dankes.

Blumen Bürgermeisterin
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Rede 1
Buffet
Rede 2
Blumen Bürgermeisterin Gruppenbild 2 Rede 1 Buffet Rede 2

Träume schaffen Räume

Der Ursprung des Raumes, wie er heute besteht, liegt in dem einfachen Wunsch nach einer Kinderklasse. Kinderklassen sind – oftmals von Bahá’í angebotene – Bildungsräume, in denen Kinder über Tugenden sowie gute Eigenschaften lernen und etwas über das Leben der Seele erfahren. Nevin, eine Mutter aus der örtlichen Bahá’í-Gemeinde, wünschte sich für ihre Kinder eine Kinderklasse in erreichbarer Nähe, da zuvor aufgrund der physischen Distanz zu den bestehenden Angeboten eine regelmäßige Teilnahme kaum möglich war.

So taten sich Freunde gemeinsam mit der Mutter zusammen und begannen, in ihrem Umfeld Gespräche über das Kinderklassenprogramm zu führen. Aus dem einfachen Wunsch der Mutter und dem damaligen Hindernis der Distanz wurde eine Chance. Die Initiative wurde ergriffen, etwas Lokales zu beginnen.

Nachbarschaftsraum draußen
Institutsmaterial
Nachbarschaftsraum Küche
Kunstprojekt
Kinderzimmer
Nachbarschaftsraum draußen Institutsmaterial Nachbarschaftsraum Küche Kunstprojekt Kinderzimmer

Kinder – der kostbarste Schatz einer Nachbarschaft

Viele Gespräche über das tägliche Leben hier und da entwickelten sich nach und nach zu einem gemeinsamen Austausch über die Erziehung der Kinder in der Nachbarschaft. Es entstanden Familienfeste, die zunächst mit großer Intensität stattfanden.

Bei einem dieser Feste wurde dieses Zitat des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, des internationalen Leitungsgremiums der Bahá’í, aufgegriffen:
„Kinder sind der kostbarste Schatz, den eine Gemeinde besitzen kann, denn in ihnen liegt die Verheißung und die Garantie für die Zukunft. In ihnen liegt keimhaft der Charakter der zukünftigen Gesellschaft, der im Wesentlichen durch das gebildet wird, was die Erwachsenen der Gemeinde für die Kinder tun oder zu tun versäumen.“1
Damit wurde der Gedanke verbunden, dass alles, was wir versäumen, in die Entwicklung der Kinder zu investieren, später nicht nachholbar ist.

Nach einem gemeinsamen Studium dieses Zitats begannen die Eltern, sich selbst stärker als Gastgeberinnen und Gastgeber des Nachbarschaftsraums zu verstehen und sich Gedanken über die Erziehung der Kinder der gesamten Nachbarschaft zu machen. So beteiligten sich immer mehr von ihnen, indem sie verschiedene Programme anboten oder Speisen zu den Festen beitrugen. Alle beteiligten sich an den Treffen – mit künstlerischen Beiträgen, mit Essen und auf vielfältige Weise. So wuchs aus einem persönlichen Wunsch Schritt für Schritt eine Initiative im Stadtteil, die schließlich im heutigen Nachbarschaftsraum ihren Ausdruck fand.

Im Einklang mit der städtischen Vision

Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Essen und weiteren Institutionen ist Teil dieses Weges. Bereits vor rund 40 Jahren war ein Oberbürgermeister bei einer Veranstaltung der Bahá’í-Gemeinde in Essen anwesend. Der Austausch zwischen Stadt und Gemeinde besteht seit vielen Jahren.

Die Bürgermeisterin Julia Jacob würdigte die gute Vernetzung der Bahá’í-Gemeinde im Stadtteil: „Die Bahá’í-Gemeinde ist angekommen, sie ist gut vernetzt.“ Zudem betonte sie, dass sich die Stadt Essen in den Zielen des Nachbarschaftsraums wiederfinde: als weltoffen, Vielfalt lebend und getragen von einem respektvollen und friedlichen Miteinander. In Hinblick auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt erklärte Frau Jacob: „Das, was die Bahá’í ausmacht, ist dieses universelle Weltbild, dieses Menschenbild, das vereint.“

Möge dieser Raum dazu beitragen, dass eine lebendige Gemeinschaft wächst, in der gute Taten ihren Platz finden und eine bessere Welt ihren Anfang nimmt – hier, mitten in der Nachbarschaft von Frohnhausen.

  1. Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Riḍván-Botschaft 2000 ↩︎