Ein Magnet für die Menschenherzen

Wachsende Sommercamps in Gauangelloch schaffen ein Umfeld, bei dem die Liebe im Mittelpunkt steht

Diesen Artikel teilen:

In Voneinander lernen, dem Podcast von Bahá´í vor Ort, teilen Menschen aus ganz Deutschland ihre Erfahrungen und Einsichten. Sie berichten, wie sie vor Ort lebenssprühende Gemeinschaften aufbauen. Im Mittelpunkt steht ein Bildungsprozess, der Menschen aller Generationen verbindet und stärkt. In der aktuellen Folge reflektieren Arian, Susanne, Alexander und Katrin aus Gauangelloch über die Entwicklungen der Sommercamps in ihrem Dorf. Dort ist über die letzten Jahre hinweg durch die jährlichen Camps und regelmäßigen Gruppenaktivitäten ein Gemeinschaftsgeist erwachsen, der immer mehr Menschen zusammenbringt.

GAUANGELLOCH, Baden-Württemberg. Das erste Sommercamp fand in Gauangelloch 2017 in kleinem Rahmen mit gerade einmal fünf Juniorjugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren statt. Im Laufe der Jahre wuchsen die Camps immer mehr und es wurden Materialien vom Bahá’í-Bildungsinstitut eingesetzt, die zum Dienen in der Nachbarschaft befähigen. Seit 2022 finden nun große Sommercamps mit hunderten Teilnehmenden statt, bei denen Programme für Kinder und Juniorjugendliche von älteren Jugendlichen aus dem Ort angeleitet werden. Das jüngste Sommercamp im Jahre 2025 stand unter dem Motto „Eine freundliche Zunge ist ein Magnet für die Menschenherzen“1.

Ein Motor für die Nachbarschaft

Im Laufe der Zeit ist das Camp nicht nur zahlenmäßig gewachsen, sondern immer mehr Teil der Nachbarschaft geworden. Arian erklärt, dass bei der Planung bewusst überlegt wird, wie das Sommercamp „eine Antwort auf ein Problem in der Realität des Dorfes“ sein könne. Dabei knüpft das Camp an die bereits bestehenden, regelmäßigen Aktivitäten der Gemeinschaftsbildung an. „Das Camp sehen wir als den größten Motor für den Nachbarschafts-Entwicklungsprozess in Gauangelloch. Da wird für alle, die hier wohnen, sichtbar, was der Prozess bewirkt“, bemerkt Alexander.
Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Beteiligung der Menschen des Dorfes aus: Einige kommen spontan dazu, da sich die Gemeinschaftsaktivität schnell herumgesprochen hat, andere sind eng in der Organisation und Durchführung involviert. Insbesondere Jugendliche setzen ihre Fähigkeiten und Talente in der Durchführung von Programmen für Jüngere ein. Neben den Bildungsprogrammen sind auch Kreativworkshops und Dienstprojekte grundlegende Bestandteile der Camps. So kommen etwa schon im Vorfeld die verschiedenen Generationen zusammen, um die Örtlichkeit gemeinsam vorzubereiten. Das gemeinsame Aufbauen fördert „ein Gefühl von Mitverantwortung“ und bereitet insbesondere den Kindern große Freude.

Ein Umfeld, in dem man Fehler machen darf

Neue Mitwirkende bringen auch neue Impulse und neue Herausforderungen mit sich. Darauf blickt Susanne allerdings mit Gelassenheit: „Man kann davon ausgehen, dass die Menschen, die sich beteiligen wollen, irgendwie ihr Bestes geben, und es überhaupt nicht schlimm ist, wenn Dinge passieren, die vielleicht auch vermeidbar wären.“ Auch Katrin hebt die Bedeutung eines Umfeldes hervor, das „völlig frei ist von Kritik, […] wo wirklich die Liebe im Mittelpunkt steht, eine aufrichtige Freundschaft, und wo jeder ein echtes Interesse an dem anderen hat“. Eine der Kinderklassen-Lehrerinnen beschrieb das Umfeld als „sehr systematisch und strukturiert […], voller Leichtigkeit und Freude“.

Reflexion als Lernmodus

Ein Willkommenheißen von „Fehlern als Lernmöglichkeiten“ ist keinesfalls mit Naivität oder Gleichgültigkeit zu verwechseln. Ganz im Gegenteil: Das Team reflektiert regelmäßig die Aktivitäten des Tages und überlegt gezielt, was man am nächsten Tag anders umsetzen kann. Alexander beschreibt das gemeinsame Reflektieren als eine Möglichkeit, über alles, „was vorher passiert ist, gemeinsam in einer ruhigen, friedlichen Atmosphäre zu lernen“.  Susanne bemerkt, dass ein „wohlwollender Ton“ im gemeinsamen Umgang dazu beitrage, dass „Menschen sich trauen, etwas zu sagen und etwas beizutragen“.

Umdenken bewegt

Auch über die Jahre hinweg reflektiert das Team die Erfahrungen und deckt auf, in welchen Situationen eine neue Haltung nötig ist. Arian fällt zum Beispiel auf, wie wichtig es sei, den Blick nicht darauf zu richten, wer erfahren und wer neu dabei ist. Vielmehr solle es darum gehen, wie „jeder direkt mit seinen Fähigkeiten praktisch in den Dienst starten“ kann. Alexander ergänzt: „Jemand, der dazu kommt und mitmachen möchte, kann genauso mitmachen wie jemand, der sich schon wochenlang mit vorbereitet hat!“
Auch die Art und Weise, die Kreativworkshops zu gestalten, hat sich verändert. Mittlerweile werden sie am Motto des Camps ausgerichtet. Das Umdenken der Workshopkonzipierung hatte einen sichtbaren Effekt auf die Anleitenden. Katrin beobachtet: „Diese Haltung hat etwas verändert in den Menschen, weil sie dadurch das Gefühl hatten, echte Beitragende zu sein und nicht Ausführende einer Idee, die jemand anderes hatte.“ Auch die Workshops selbst entwickelten sich dadurch: „Es wurde viel mehr eigene Kreativität und Nachdenken angeregt und es gab eine so unglaubliche Vielfalt.“

  1. Bahá’u’lláh, Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs ↩︎