
Das Alter zwischen 12 und 15 Jahren ist ein ganz besonderes; es ist der Übergang vom Kind- zum Erwachsensein. Junge Menschen haben in dieser Phase einen geschärften Sinn für Widersprüche, denken über tiefgründige Themen nach und verspüren den Wunsch, etwas in der Gesellschaft zu bewirken. Ein Bahá’í-inspiriertes Programm, an dem sich Menschen auf der ganzen Welt beteiligen, trägt zu dem Ziel bei, das Potenzial dieser Juniorjugendlichen (kurz: Jujus) freizusetzen. Fariba aus dem hessischen Königstein begleitet eine Juju-Gruppe. Sie erzählt von einer lebendigen Gemeinschaft, die vom Wunsch getragen ist, aktiv zum geistigen und sozialen Fortschritt ihres Umfelds beizutragen.
Wie ist die Juju-Gruppe in Königstein entstanden?
Die Juju-Gruppe existiert seit September 2024. Sie ist aus einer Kinderklasse entstanden, die vorher viele Jahre regelmäßig stattfand. Derzeit nehmen vier Jujus aus Königstein-Schneidhain und zwei aus der näheren Umgebung regelmäßig teil. Ursprünglich waren zweistündige wöchentliche Treffen geplant. Da sich die Jujus jedoch so gerne und ausgiebig austauschen und viel Hunger mitbringen, kommen sie mindestens eine halbe Stunde früher, erzählen und essen gemeinsam. Nach der körperlichen Stärkung folgt die geistige Nahrung. So steigen wir in die anschließende Gruppenzeit mit einer Runde von Gebeten ein. Manchmal suchen sich die Jugendlichen alle dasselbe Gebet aus. Eins beteten sie so oft, bis sie es fast auswendig konnten.
Danach beschäftigen wir uns mit Materialien des Bahá’í-Bildungsinstituts, die speziell für diese Altersgruppe entwickelt wurden. Derzeit beenden wir ein Buch mit dem Titel Über Zahlen nachdenken. Es geht zum Beispiel darum, über seine Zeiteinteilung zu reflektieren: Wie viel Zeit möchte ich mit Freunden, im Bad, am Handy oder auch beim Helfen u.s.w. verbringen? Die Jujus sprechen dann offen über ihre Wünsche und Erfahrungen und drücken ihre Gedanken dazu auch künstlerisch aus, z.B. durch Malen. Gerade im Sommer, wenn das Wetter so schön ist, picknicken wir im Garten und studieren dort einen Abschnitt. Wir haben als Tradition eingeführt, dass wir die letzte Lektion eines Buches am Haus der Andacht abschließen und gleich das nächste Buch in der Bücherstube dort kaufen.
Was macht die Juniorjugendgruppe?
Seit Februar haben wir Juju-Realtalks eingeführt. Die finden alle ein bis zwei Monate statt und behandeln ein Thema, das die Jujus beschäftigt, aber den Rahmen der Gruppe sprengen würde. Ende Mai ging es beispielsweise um Gruppenzwang. Die Juniorjugendlichen laden hierzu auch Freunde ein, die nicht an der Gruppe teilnehmen.
Neben den Gruppenstunden finden seit zwei Jahren alle vier bis sechs Wochen Kinderfeste statt, welche die Juniorjugendgruppe mitorganisiert. Sie überlegt sich dann zum Beispiel, welche Tugend man als Motto nehmen könnte und welche Geschichte dazu erzählt wird. Es ist berührend, zu sehen, dass die Jujus ganz selbstverständlich und voller Liebe die Verantwortung für die Erziehung Jüngerer übernehmen. Oft beraten die Jujus auch, welchen Beitrag sie zur Verbesserung der Nachbarschaft leisten können. Seit März leiten die Jujus eine regelmäßig stattfindende Kinderklasse, die aus den Kinderfesten heraus entstanden ist.
Ihr habt vor Kurzem ein dreitägiges Camp veranstaltet. Was habt ihr da gemacht?
Dieses Jahr haben wir das Thema Freundschaft behandelt. Es wurde in Kleingruppen mit verschiedenen Fragestellungen kreativ bearbeitet und die Erkenntnisse am Ende in großer Runde zusammengetragen. Die Jujus haben auch ein Theaterstück geschrieben und aufgeführt. Weil wir etwas für unsere Nachbarschaft beitragen wollten, haben wir nach engem Austausch mit der Stadt den Kurpark sauber gemacht. Am Tag darauf fand ein Benefizlauf statt, der für Königstein sehr wichtig ist und alle Menschen, Gruppen und Vereine anzieht. Auch wir haben als Camp-Gruppe daran teilgenommen. Es wurde sehr geschätzt, dass wir vorher alles sauber gemacht haben. Die Stadt hat bereits Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit bekundet.
Es haben einige Jujus am Camp teilgenommen, die nur eine Person kannten. Durch die tiefen Gespräche und die gemeinsamen Projekte haben sich dann so starke Freundschaften entwickelt, dass man am Ende nicht mehr unterscheiden konnte, wer wen schon länger kannte. Es war bemerkenswert, dass die Handys während des Camps keine Rolle spielten. Eine Familie war vom Camp so berührt, dass wir uns getroffen haben, um das Juju-Programm genauer vorzustellen. Ihre Tochter wird künftig regelmäßig an der Gruppe teilnehmen.
Welchen Einfluss hat das Programm auf die Jujus und ihr Umfeld?
Ich habe schon den Eindruck, dass die Gruppe für die Jujus ein Safe Space ist. Sie können einfach so sein, wie sie sind, und sich auch mal mit ernsten Themen beschäftigen. Die Eltern schätzen und unterstützen das. Die Jujus verbinden enge Freundschaftsbande und ab und an übernachten sie sogar gemeinsam. Es ist schön, zu sehen, wie sie ihre Fähigkeiten entwickeln und diesen tiefen Wunsch, einen Beitrag zu leisten, gemeinsam verwirklichen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Angebot noch sichtbarer wird, mehr Juniorjugendliche angesprochen werden und wir weiter zur Verbesserung von Königstein beitragen können.
Weitere Informationen zu Juniorjugendgruppen finden Sie hier. Wenn Sie sich auch an einer Juniorjugendgruppe in Ihrer Nähe beteiligen möchten, wenden Sie sich gerne an sekretariat(at)bahai.de.




