Resilienz in Honduras im Angesicht der Katastrophe

Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Honduras richtete zu Beginn der Pandemie ein Notfallkomitee ein. Dadurch wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der sich Monate später als wesentlich erweisen würde, um auf die verheerenden Auswirkungen der Hurrikans Eta und Iota zu reagieren.

SIGUATEPEQUE, Honduras – Als im November die Nachricht von dem sich nähernden Hurrikan Eta der Kategorie 4 eintraf, bemühte sich das Notfallkomitee, das Bewusstsein für die bevorstehende Katastrophe zu erhöhen. Komiteemitglied Gloria Perdú sagt: „Es war viele Jahre her, seitdem das Land von einem so mächtigen Sturm getroffen wurde, und die meisten Menschen hatten nicht mit einer solchen Verwüstung gerechnet. Das Netzwerk, das wir Anfang des Jahres aufgebaut hatten, ermöglichte uns, die Menschen auf die Vorsichtsmaßnahmen aufmerksam zu machen, die sie vor dem Sturm treffen sollten.“

Hurrikan Eta landete am 3. November 2020 vor der Küste Nicaraguas, bevor er sich durch Honduras bewegte. Nur zwei Wochen später folgte Iota, ein Hurrikan der Kategorie 5, der in der Region ein Ausmaß an Zerstörung hinterließ, wie es in der jüngeren Geschichte noch nicht gesehen wurde. Starke Regenfälle verursachten weit verbreitete Überschwemmungen und die Kommunikation, die Stromversorgung sowie die Straßen waren in vielen Gebieten stark beeinträchtigt.

Gebetskette stärkt Geist der Solidarität

Der Nationale Rat und das Notfallkomitee riefen eine landesweite Gebetskette ins Leben. Die Kraft des Gebetes sollte den Geist der Solidarität während der Krise stärken. In einer dunklen Zeit war die Gebetskampagne ein Akt der Hoffnung“, sagt Andrea Castiblanco, Mitglied des Nationalen Geistigen Rates und des Notfallkomitees. „Obwohl man Angst hat, weiß man – selbst inmitten des Sturms mit ausgefallener Kommunikation –, dass man mit anderen Personen im ganzen Land im Gebet verbunden ist. Und wenn man betet, lässt man sich von dem Bewusstsein inspirieren, dass man danach gemeinsam geeint handeln kann.“

Die Hurrikane Eta und Iota gehören zu den schwersten Stürmen, die Mittelamerika in den letzten 20 Jahren heimgesucht haben. Starke Regenfälle verursachten weit verbreitete Überschwemmungen, während Kommunikation, Strom und Straßen in vielen Gebieten stark beeinträchtigt waren.
Die Hurrikans Eta und Iota gehören zu den schwersten Stürmen, die Mittelamerika in den letzten 20 Jahren heimgesucht haben.

Frau Perdú erklärt, wie es dem Komitee gelungen ist, viele Menschen zum Handeln zu mobilisieren: Wir haben uns die lokalen Bahá’í-Gemeinden im ganzen Land angeschaut, die seit Jahrzehnten lernen, Kapazitäten aufzubauen, um zum Fortschritt ihrer Gesellschaft beizutragen. Dies ermöglichte es dem Notfallkomitee, rasch ein Netzwerk zu schaffen, das aus Menschen und Institutionen besteht, die über organisatorische Fähigkeiten und den Wunsch verfügen, Menschen in Harmonie und Einheit zusammenzubringen.“ Frau Perdú erzählt weiterhin, wie das Netzwerk maßgeblich dazu beigetragen hat, Menschen und Ressourcen in die stark betroffenen Gebiete zu senden. „Familien in weniger betroffenen Gebieten spendeten beispielsweise Vorräte oder Kleidung, die auf andere Gebiete verteilt wurden. Der Geist der Einheit und des selbstlosen Dienstes, mit dem die Menschen reagiert haben, hat uns in dieser Zeit großer Schwierigkeiten Hoffnung geschenkt.“

Dies ist der Moment, um sich zu vereinen

Das vom Notfallkomitee eingerichtete Netzwerk hat dazu beigetragen, Menschen und Ressourcen in Bedürftigkeitsbereiche zu kanalisieren.
Das vom Notfallkomitee eingerichtete Netzwerk hat dazu beigetragen, Menschen und Ressourcen zu kanalisieren.

Im Mittelpunkt des Ansatzes des Notfallkomitees stand seine Fähigkeit, die Kapazität der lokalen Gemeinschaften zu fördern, bei ihren eigenen Reaktions-, Wiederaufbau- und Entwicklungsbemühungen die Führung zu übernehmen. Ein junger Mensch aus der örtlichen Bahá‘í-Gemeinde San Pedro Sula sagt: „Ich glaube, dass dies eine Zeit ist, um darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Wir bauen unsere Häuser wieder auf und helfen unseren Nachbarn, ihre wieder aufzubauen. Die Menschen wachen auf und sehen, wie sehr wir uns alle gegenseitig unterstützen müssen. Dies ist der Moment, um sich zu vereinen und etwas Neues zu bauen, nicht nur materiell, sondern auch geistig.“

Freiwillige, die vom Notfallkomitee koordiniert wurden, transportierten gespendete Matratzen für Familien in der schwer getroffenen Stadt San Pedro Sula, wo viele Menschen ihr Zuhause verloren haben.
Freiwillige, die vom Notfallkomitee koordiniert wurden, transportierten gespendete Matratzen für Familien in der schwer getroffenen Stadt San Pedro Sula, wo viele Menschen ihr Zuhause verloren haben.

In den Wochen seit den Stürmen hat sich der Ausschuss den langfristigen Bedürfnissen zugewandt. Frau Castiblanco erklärt: Viele Menschen sind seit Beginn der Pandemie ohne Beschäftigung oder hatten kleine Unternehmen wie das Backen von Süßbrot, den Verkauf von Kleidung oder als Friseur, doch verloren alle ihre Waren und Ausrüstungen in den Stürmen. Wir sind dabei einen ‚Saatgutfonds’ einzurichten, der den Menschen helfen soll, die Materialien zu kaufen, die sie benötigen, um ihre Geschäfte zu starten.“

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