36 Nachbarschaften im Erfahrungsaustausch

Europäisches Online-Seminar zum Aufbau lebenssprühender Gemeinden

Oktober 2020. Etwa 250 Menschen aus über 10 Ländern treffen sich online für intensive und lehrreiche sechs Tage. Sie sprechen über die Erfahrungen, die sie im Kontext ihrer Arbeit in Nachbarschaften und Dörfern über den Kontinent hinweg in den letzten Monaten und Jahren gemacht haben.

Engagement in der Nachbarschaft

Das Universale Haus der Gerechtigkeit – die höchste Körperschaft der weltweiten Bahá’í-Gemeinde schreibt über die Bemühungen von Menschen, die sich in diesem Feld engagieren: „ Freunde, die in solchen Gebieten dienen, lernen, wie man Ziel und Absicht dieser Aktivitäten am besten erklärt, wie man durch Taten die Reinheit seiner Motive unter Beweis stellt, wie man ein Umfeld fördert, in dem der Zögerliche Mut fassen kann, wie man den Bewohnern dabei helfen kann, die reichhaltigen Möglichkeiten zu erkennen, die durch Zusammenarbeit geschaffen werden, und wie man sie ermutigen kann, sich zu erheben, um den besten Interessen ihrer Gesellschaft zu dienen.“ [1]Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Botschaft vom 29.12.2015, Abs. 15

Eine Junior-Jugend-Gruppe in einer florierenden Nachbarschaft

Die Aktivitäten, die hierbei angesprochen werden, beinhalten Klassen für Kinder und Gruppen für junge Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren, die versuchen, ihre eigenen geistigen und moralischen Fähigkeiten zu entwickeln. Das funktioniert beispielsweise, indem sie einen Beitrag zum Wohlergehen der Nachbarschaft, in der sie leben, leisten. Auch die älteren Jugendlichen, Eltern und alle anderen Bewohner der jeweiligen Nachbarschaft sind eingeladen, gemeinsam über die Möglichkeiten nachzudenken, eine freudige und gerechte Nachbarschaft und Gesellschaft aufzubauen. Drei der auf diesem Feld am weitesten fortgeschrittenen Nachbarschaften Europas liegen in Spanien, Österreich und den Niederlanden.

Voneinander lernen

Unter den Teilnehmern des Seminars, die sich in ihrer Nachbarschaft engagieren, ist auch Leyli aus Halle. „Normalerweise“, so Leyli, „ist das Seminar so organisiert, dass man in die jeweilige Nachbarschaft geht und dort vor Ort Erfahrungen sammelt und voneinander lernt.” Da dies zur Zeit natürlich nicht möglich war, mussten auch hier besondere und kreative Wege gefunden werden, um es allen Teilnehmern zu ermöglichen, den Lernprozess fortzuführen. So fand das Seminar online statt. „Das Gute war, dass es jetzt – in dieser veränderten, digitalen Form – die Möglichkeit gab, alle drei Nachbarschaften kennenzulernen. Wir konnten beispielsweise bei den morgendlichen Teamtreffen von Telde Casco in Spanien dabei sein“, erzählt Leyli. „Jeden Tag wurden unterschiedliche Themen behandelt. Der Fokus lag jedoch immer auf dem Institut – dem Lernen, das Institut als Werkzeug für die Wandlung von Nachbarschaften zu nutzen“erklärt die Studentin weiter.

Kinder tanzen fröhlich im Kreis
Eine Kinderklasse beim Tanzen

Alle drei betrachteten Nachbarschaften zeichnen sich für Leyli durch Systematik sowie eine große Herzlichkeit aus. Man habe gemerkt, dass es nicht um die Erreichung einer Anzahl von Aktivitäten gehe, sondern darum, gemeinsam am geistigen Wachstum zu arbeiten. „Man begleitet und unterstützt sich gegenseitig und denkt dabei an jeden einzelnen“ , resümiert Leyli. Auch das Verständnis über einen wachsenden Kern von Freunden – das Team, welches den Prozess in der Nachbarschaft fördert – hat sich bei den Teilnehmern erweitert. So geht es um keine fest definierte Zahl von Menschen und auch keine Mitgliedschaft. Vielmehr um einen gemeinsamen Raum, in welchem über die Anwendung geistiger Prinzipien systematisch gelernt werde.

Jeder wird mit einbezogen

Jugendliche stehen im Kreis und stärken sich gegenseitig
Der Zusammenhalt unter den Jugendlichen wird gestärkt

Eine weitere besondere Erkenntnis für Leyli und das Team in Halle war, das Gespräch mit allen Menschen in der Nachbarschaft zu suchen und alle mit einzubeziehen. Es sei schön, eine Gruppe von Juniorjugendlichen zu begleiten, die begeistert an dem Programm teilnehmen. Noch schöner sei es, wenn auch ihre Eltern und Geschwister an dem Prozess beteiligt seien.

Die Einsichten und Erkenntnisse des einwöchigen Seminars werden weiter wirken. Gerne nutzen wir das Format Bahá’í vor Ort, um von den zahlreichen Bemühungen und Lernprozessen hier in Deutschland zu berichten. In regelmäßigen Zeiträumen werden wir kleine und große Erfahrungen, Einsichten und Geschichten sammeln und teilen. Für Beiträge hierzu wendet Euch gerne an news(at)bahai.de.

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