Wir sind nach Kroatien pioniert

Familie Zierau ist nach Kroatien pioniert.
Familie Zierau ist nach Kroatien pioniert.

RIJEKA, Kroatien. In den Bahá’í-Schriften steht: “Lasst Taten, nicht Worte eure Zier sein.“ [1]Bahá’u’lláh: Die Verborgenen Worte Unser Glaube soll in Taten sichtbar werden – ob beim nachhaltigen Einkaufen, in nachbarschaftlicher Zusammenarbeit oder der Organisation einer Andacht. Wenn wir Entscheidungen auf Grundlage des Glaubens treffen, werden wir bestätigt und lernen dazu. Ricarda und Vahid Zierau haben vor 2 Jahren eine ganz grundlegende Entscheidung zur Förderung der Bestrebungen der Bahá’í-Gemeinde getroffen: Sie sind auf Bitte des Nationalen Geistigen Rates[2] Höchstes administratives Gremium der Bahá’í in Deutschland pioniert; also in ein anderes Land gezogen, um dort Bahá’í-Aktivitäten zu unterstützen. Im Gespräch mit Bahá’í vor Ort berichten Sie, wie es dazu kam, welche Herausforderungen die junge Familie erlebt hat und was sie in Kroatien gelernt haben.

Wie kam es zur Entscheidung nach Kroatien zu pionieren?

Ricarda: Zunächst einmal war unsere Reaktion auf den Brief des Nationalen Geistigen Rates “Nicht jetzt, wir haben ein kleines Baby, es gibt in unserer eigenen Nachbarschaft genug zu tun – so etwas machen wir irgendwann anders einmal.” Aber dann ergab es sich doch, dass ich mit meinen Schwiegereltern zum Treffen für potentielle Pioniere zum Haus der Andacht gefahren bin, nach dem Motto: Kann man sich ja mal anschauen. Und das hat für mich dann alles verändert. Dort ist mir die Dringlichkeit der Bitte bewusst geworden. Gleichzeitig hat mich die Ernsthaftigkeit beeindruckt, mit der jeder der Teilnehmenden in Erwägung zu ziehen schien, pionieren zu gehen.

Vahid: Während Ricarda bei dem Treffen war, befand ich mich in Amerika auf einer Dienstreise und hatte die Chance, zum Haus der Andacht in Wilmette zu fahren. Dort habe ich auch einige Gebete für das Treffen gesprochen. Nach meiner Rückkehr haben wir uns zusammengesetzt und gemeinsam beraten. Wir sind alle Punkte durchgegangen, die uns relevant vorkamen, und mussten feststellen, dass alle ‘Hindernisse’ die wir zunächst angenommen hatten, keine wirklichen Hindernisse darstellten. Dadurch sind wir zu der Entscheidung gekommen, pionieren zu gehen. In anschließender Beratung wurde daraus dann Rijeka in Kroatien.

Wie hat euer Umfeld die Entscheidung aufgenommen?

Ricarda: Da meine Eltern keine Bahá’í sind, war das Mitteilen unserer Pionier-Entscheidung meine erste große Prüfung. Ich war mir unsicher, wie sie reagieren.

Der Hafen von Rijeka hieß die junge Familie 2019 willkommen.
Der Hafen von Rijeka hieß die junge Familie 2019 willkommen.

Vahid: Viele haben die Entscheidung erstmal nicht verstanden. Aber die Freunde, die regelmäßig zur Andacht kamen, fanden sie gut. Für unsere Eltern war es natürlich schwer. Unser Sohn Robin war in beiden Familien das erste Enkelkind und deshalb waren sie natürlich traurig, ihn nicht mehr so häufig sehen zu können. Sie haben uns aber stets in unserer Entscheidung unterstützt.

Welche Herausforderungen und Chancen haben sich aufgetan?

Eine große Herausforderung ist die Sprache, die wir nach jetzt fast 2 Jahren nur rudimentär verstehen und sprechen. Jede Herausforderung bietet natürlich auch neue Chancen. Zum Beispiel die Herausforderung, neue Leute kennenzulernen, um sich einen Freundeskreis vor Ort aufzubauen. Mit unseren Kindern sind wir fast jeden Tag auf verschiedenen Spielplätzen unterwegs und kommen dort sehr leicht mit Eltern ins Gespräch. Wir fühlen uns dadurch mittlerweile sehr zuhause in unserer neuen Nachbarschaft und haben Ansprechpartner für diverse Lebensbereiche gefunden. Viele dieser neuen Freundschaften bergen das Potential für Zusammenarbeit in Kinderklassen, Juju-Gruppen und Andachtsversammlungen.

Wie habt ihr erkannt, was ihr in dem euch fremden Land Kroatien beitragen könnt?

Ein zentrales Ziel der Bahá’í-Religion und auch unser beider Ziel im Leben ist es, der Menschheit zu dienen, indem wir zum materiellen und geistigen Fortschritt der Gesellschaft beitragen. Und wenn der Nationale Geistige Rat uns bittet, in ein Balkan-Land zu pionieren, dann vertrauen wir, dass wir uns dort schon irgendwie nützlich machen können. Konkret sind wir noch immer im Findungsprozess, wie das genau aussehen kann – und das ist vermutlich eine andauernde Bemühung.

Was habt ihr in Kroatien gelernt?

Ricarda: An der Sprache sind wir noch dran … Ich habe Vertrauen in

Der kleine Robin hat in Kroatien eine große “Herzensfamilie”.
Der kleine Robin hat in Kroatien eine große “Herzensfamilie”.

Bestätigung gelernt: Wenn man sich anstrengt und strebt, Gutes zu tun, fügen sich die Dinge immer irgendwie. Und dass Familie sich nicht (nur) über Blutsverwandtschaft definiert. Unsere Kleinen wachsen mit so vielen Brüdern, Schwestern, Tanten, Onkels und Großeltern auf, dass man nur neidisch sein kann!

Vahid: Über die kroatische Kultur haben wir gelernt, dass die Menschen auf der Straße oft zwar zunächst unnahbar wirken, sich aber immer Zeit für Gespräche nehmen und immer ihre Hilfe anbieten. Konkret haben wir außerdem gelernt, mit Eltern ins Gespräch zu kommen.

Wie oft trefft ihr Entscheidungen aufgrund eures Glaubens? 

Ricarda: Ganz bewusst mache ich das bei großen, komplexen Entscheidungen – wie der Entscheidung, Pionieren zu gehen. Ich weiß, dass ich im Bahá’í-Glauben eine Führung finde, der ich vertrauen kann. Aber eigentlich durchdringt der Glauben all meine Alltagsentscheidungen, also auch Erziehungsfragen oder mein Konsumverhalten.

Was würdet ihr Personen raten, die vor großen Lebensentscheidungen stehen? 

Der kleine Robin hat in Kroatien eine große “Herzensfamilie”.
Der kleine Robin hat in Kroatien eine große “Herzensfamilie”.

Ricarda: Man sollte sich bewusst machen, was das eigene Lebensziel ist. Dabei ist es eine wichtige Frage, zu untersuchen, woran man eigentlich glaubt (oder auch nicht) denn das weist ja dann meist den Weg. Oft geht diese Frage im Alltag unter, aber aus Erfahrung würde ich sagen: Es lohnt sich, sich ein wenig Zeit dafür zu nehmen. Und dann Entscheidungen am eigenen Lebensziel prüfen! 

Vahid: Beraten! 

Durch den unermüdlichen Dienst zahlreicher Pioniere wie Ricarda und Vahid konnte im Jahr 2021 erstmals ein Nationaler Geistiger Rat in Kroatien gewählt werden, der den Aktivitäten in den Nachbarschaften nun Schwung und Führung gibt. Am 1. Mai 2021 berichtete der Bahá’í World News Service über dieses historische Ereignis:

 

Quellennachweise[+]

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